Samstag, 29. Dezember 2007

Weihnachten in Tokio

Bis letzte Woche war Paris die größte Stadt, in der ich je war. Nun ist es Tokio und hier ist die Geschichte dazu: Übermüdet stieg ich in den Bus, der mich von Fukui nach Tokio brachte. Es war früh am Morgen und ich hatte keinen Fensterplatz. Also steckte ich mir Stöpsel ins Ohr und versuchte die Fahrt schlafend zu verbringen. Teilweise auch erfolgreich. Ich muss zugeben, dass ich noch nie so gut in einem Fahrzeug geschlafen habe, wie in diesem Bus. Nach circa acht oder neun Stunden kamen wir in Tokio an. Das erste, was ich von dieser Stadt mitbekam war ein Stau inmitten einer Betonwüste. Am Abend kamen wir dann im Hostel an. Das Tokio Backpackers in Minami-Senju. Das war ein bisschen außerhalb des Stadtkerns, was aber eigentlich gar nicht so verkehrt war, wenn man die Geräuschkulisse in der Innenstadt denkt. Außerdem sah ich zum ersten Mal in Japan richtig viele Obdachlose. Gibt’s hier also auch. Die Woche über sind wir eigentlich nur rumgelaufen und haben uns angeguckt, was es in Tokio so zu gucken gibt und das ist viel. Es ist so viel, dass ich überhaupt nicht weiß, wo ich anfangen soll…Zum einen gibt es da ein Viertel das heißt Akihabara. Dort bekommt man alles was mit Elektronik und vor allem Unterhaltungselektronik zu tun hat. Im Überfluss. Einfach laut und bunt.


Dieses Photo zeigt das Kaminari-Mon in Asakusa. Ein wirklich nettes Viertel. Das ist mal ne Reise wert...dachten sich auch die tausenden Touristen, die ich dort traf.


Das Schwarzweißphoto hier zeigt eine Straße, die wegen des Geburtstags des Kaisers gesperrt wurde. So leer sieht man Tokio ziemlich selten.


Am letzten Tag bin ich auf den Tokio Tower gestiegen. Von dort aus hat man einen guten Ausblick auf die Stadt.


Und das hier ist der Turm (rechts). Sieht dem Eiffelturm ein wenig ähnlich und ist auch ein paar Meter höher...


Soviel von den Sehenswürdigkeiten. Es gibt natürlich noch viel mehr, aber das hier waren für mich die Highlights.
Weihnachten hab ich mal auf eine unkonventionelle Art verbracht. Am Abend des 24. gingen wir zu einer kleinen Privatparty am anderen Ende der Stadt, allerdings nur für zwei Stunden, denn wir mussten unsere Bahn zurück zum Hostel kriegen. Das Problem ist, das die Bahnen in Tokio in der Regel bis 0:00 Uhr fahren. Das hat natürlich für Probleme gesorgt und zwei Mal mussten wir 
sogar vom Bahnhof Ueno bis zum Hostel laufen. Das hat dann ungefähr eine Dreiviertelstunde gedauert. In unserem Zimmer erwartete uns dann meist ein Schnarchkonzert oder merkwürdige Gestalten, die um 4 Uhr morgens einem mit der Taschenlampe ins Bett leuchten. Nächstes Mal nehm ich ein Einzelzimmer!

Dienstag, 4. Dezember 2007

Osaka

Der Zug hält. Ich stehe mit einem großen Rucksack auf dem Rücken eingequetscht im Türbereich eines Bummelzuges Richtung Osaka und halte mich so gut es geht an einer Tür fest. Der Zug hält und ich werde hinausgeschoben. Halb stolpernd betrete ich den Bahnsteig und sehe wie von links und von rechts Menschenhorden auf mich zukommen. Mit unaufhaltsamen Schritten und einer scheinbaren Gewalt, wie man sie von einer Dampfwalze kennt, rollen die Berge aus menschlichen Körpern auf mich zu. Mir wird heiß und ich flüchte nach vorn. Vor meinen Augen verzerrte Bilder aus schwarzen Anzügen und Aktenkoffern.
So fühlt man sich, wenn man nach zwei Monaten in Fukui am Bahnhof einer Millionenstadt aussteigt. Anstatt viel darüber zu schreiben, 
lasse ich erstmal die Bilder sprechen.



Auf den ersten Blick ein Mausoleum, auf den zweiten eine Toilette im Schlosspark.


Und das hier wäre dann das Schloss von Osaka. Man beachte den hochmodernen Fahrstuhl...oder vielleicht übersieht man ihn auch besser.


Wenn man die 700 Yen Eintritt für das Schloss übrig hat, wird man mit einer netten Aussicht belohnt.
 

Das hier ist der "Deutsche Weihnachtsmarkt Osaka". Dort bekommt man leckeren Glühwein, ausgezeichnete Thüringer Rostbratwürste und einen Kaffeebecher voll Suppe für 3€. Ist also praktisch wie zu Hause.


Wer auf dem Weihnachtsmarkt mal den Kopf in den Nacken schlägt, kriegt das hier zu sehen.

Samstag, 24. November 2007

Was tun wir nur, wenn das AKW Tsuruga in die Luft fliegt?

Das dachten sich die japanischen Selbstverteidungsstreitkräfte aus der Hafenstadt Tsuruga im Süden der Präfektur Fukui und luden am vergangenen Sonntag zu einer kleinen Übung für Ausländer ein. Sie wollten einmal üben, wie es ist Menschen zu evakuieren, die (eigentlich) kein Japanisch sprechen. Also fand ich mich an einem Sonntag früh morgens um elf in einem extrem schaukelnden Militärjeep wieder. Ich wurde zuvor mit einem Dutzend Amerikaner per Bus in ein kleines Fischerdorf gebracht. Die wunderschöne Landschaft ließ kaum erahnen, dass sich in unmittelbarer Nähe ein Atomkraftwerk befindet. Nach einer kurzen Wartezeit im Regen wurden wir dann von zwei Hummer-Imitaten der Marke Toyota abgeholt und zurück zu einer Mittelschule nach Tsuruga gefahren, wo der Ausflug begonnen hatte. Die Fahrt war eigentlich ganz lustig. Einer stieß sich den Kopf, einigen wurde schlecht und die japanischen Soldaten sahen ein bisschen aus, wie G.I.`s aus den Fünfzigern. Freundlich erkundigte sich einer der Soldaten immer wieder nach unsere Gesundheit, während der andere damit beschäftigt war, auf den engen Serpentinen die Spur zu halten. In der, zum Lazarett umgebauten Schule angekommen, wurde ich von Krankenschwestern mit einem Geigerzähler auf eventuelle Strahlenschäden untersucht und über meinen medizinischen Werdegang sowie akute Beschwerden befragt. Allerdings auf Japanisch, denn Englisch konnte nur der Arzt und obwohl er sich Mühe gab klang es nur sehr dürftig. Ich bin zwar der Meinung, dass wenn das AKW in Tsuruga mal ein Leck bekommt, ich mich selbst in Fukui nicht sicher fühlen könnte, aber wenigstens haben wir das Szenario einmal durchgespielt. Ich sag nur "Duck and Cover, alle Mann unter die Schreibtische".


Sonntag, 11. November 2007

Mein Alltag


Bisher konnte ich mich noch nicht durchringen über meinen Alltag zu schreiben. Das liegt daran, dass er nicht sonderlich spannend ist, wie beinahe jeder Alltag. An einem gewöhnlichen Wochentag stehe ich um neun Uhr auf, dusche mich, essen ein wenig und putze mir dann die Zähne. An den meisten Tagen habe ich erst zwischen 10:30 und 14:45 Unterricht, er beginnt also recht spät. Meistens mache ich in der Zeit vor der Uni, was mir in Hamburg während dieser zwei, drei Stunden nie wirklich gelungen ist - Hausaufgaben. Unter Umständen lerne ich auch Vokabeln oder Schriftzeichen. Mittagessen tu ich meistens in der Mensa, die im Vergleich mit den Mensen der Uni-Hamburg klar gewinnt. Sie ist günstiger und das Essen leckerer. Am liebsten esse ich frittierten Fisch mit Salat, Reis und einer weiteren Beilage wie Miso-Suppe oder Tempura. Danach wird entweder noch etwas an der Uni rumgelümmelt oder ich gehe zu Mitsuwa, um irgendetwas einzukaufen. Mitsuwa ist ein kleines Kaufhaus, das regelrecht an das Wohnheimgelände angrenzt. Von meinem Zimmer bis zur Uni sind es zu Fuß 5 bis 10 Minuten. Dazwischen liegt Mitsuwa, das ich auch gerne als Mittelpunkt meines Alltagslebens bezeichne. Das liegt daran, dass ich fast jeden Tag dort bin. Mistuwa hat im Erdgeschoss einen Supermarkt, in dem an der Obst- und Gemüseecke immer ein furchtbar nervtötendes Lied abgspielt wird, welches einen dazu motivieren soll, gesünder zu essen. Im ersten Stock gibt es alles rund um Schreibwaren, Küche, Bad, Computer, Spielzeug und Kleidung. Der zweite Stock beherbergt ein wenig Elektronik, Werkzeug und Möbel. Für mein Abendessen muss ich aber meistens in die Boulangerie Poire, wo man alles mögliche an Backwaren bekommt, was die europäische Bäckerskunst so hergibt. Am Abend versuche ich mich gerne zu entspannen, mache noch mehr Hausaufgaben, oder treffe mich mit meinen Mitstudenten. Meistens mit deutschen, japanischen, koreanischen und amerikanischen. Das ist von Abend zu Abend verschieden oder mischt sich. Allmählich entstehen hier Cliquen, die untereinander gut vernetzt sind, so dass fast jeden Abend etwas ansteht. Zusammen Abendessen, Filmchen gucken, Karaoke...

Hier sind mal ein paar Photos, die meinen Alltag zeigen:


Der Eingang zu meinem Wohnheim.


Das Institut, in dem ich mich täglich mindestens anderthalb Stunden mit japanischer Sprache beschallen lasse.




Der Turm mit den roten Schriftzeichen und blauen Streifen oben und unten ist Mitsuwa. Das Photo zeigt die Kreuzung direkt vorm Uni-Eingang.



Auch das ist ein Teil meines Alltags, obwohl ich mir gerade größte Mühe gebe, es auf das Wochenende zu beschränken. Ein kleiner Beitrag über japanische Biersorten ist schon in Planung;-)





...und zu guter letzt meine Kurse:

Montag - Deutsche Geschichte und Volksbräuche

Dienstag - Japanische Literaturvorlesung, Lage der Dinge in Japan (Feiertage, Geschichte...), Japanischer Sprachkurs

Mittwoch - Japanische Literaturgeschichte


Donnerstag - Deutsche Gegenwartssituation

Freitag - Japanisch/Chinesischer Kulturaustausch

Montag, 5. November 2007

Das Achtstundenrennen von Fukui

Den letzten Sonntag habe ich mit einer kleinen Bustour verbracht. Es sollte so eine Art Ausbildung für angehende Reiseführer werden. Wir wurden innerhalb von acht Stunden durch drei Sehenswürdigkeiten gejagt. Zuerst ging es zum Schloss von Maruoka. Es war recht gemütlich. Ich weiß nicht, ob es eine Norm gibt für die Größe ab der sich eine Behausung Schloss oder Burg nennen darf, es war aber sehr hübsch anzusehen. Hoch auf einem Berg umgeben von einem wunderschönen Garten mit vielen Koi-Karpfen. Das Ding war nur, dass mein Reiseführer besoffen war. Als er dann versuchte die steilen Schlosstreppen herunterzugehen forderte der Alkohol seinen Tribut an die Körpermotorik. Er hat es aber überlebt. Danach ging es dann fix (wirklich fix) nach Tojinbo, wo uns ein paar wunderschöne Felsen erwarteten. Das Meer war tiefblau und die frische Brise wehte uns um die Nase.

Davon verlockt, ging ich ein paar Meter näher heran, als auf einmal eine der Reiseleiterinnen kam und mich freundlich mit folgenden Worten anfauchte:“規則を守る(kisoku wo mamoru)“. Das wiederholte sie mehrmals, als hätte sie ein kleines Kind vor sich. Die Bedeutung dieser Worte ist, dass ich die Regeln einhalten oder wörtlicher gesagt, bewahren soll. Als Wörterbucheintrag könnte folgendes dienen:

規則を守る(die Regeln bewahren) – Aufgabe des Nachgehens jeglicher individueller Interessen bei Gruppenveranstaltungen. Mit anderen Worten: Tim darf nicht an den Strand von Tojimbo und sich ein bisschen umsehen, weil für diese wundervolle Ausflugsstation nur eine Stunde eingeplant war, die von einer einstündigen Bootstour bis auf ein, zwei Minuten komplett ausgefüllt wurde.

Aber was beschwere ich mich. Es war umsonst. Also huschten wir wieder in den Bus und fuhren zum Mittagessen. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl etwas wirklich Japanisches zu essen. Auch die Art des Servierens und bei Tisch Sitzens war sehr japanisch. Auf Tatami-Matten an einem niedrigen Tisch sitzend in einem traditionell japanisch eingerichteten Raum. Das Essen bestand größtenteils aus Gemüse und Meeresfrüchten. Auch wenn ich keine Krabben mit langen Fühlern auf meinem Teller schätze, habe ich es gegessen und gemocht. Anschließend fuhren wir nach Echizen, welches für sein spezielles, traditionell hergestelltes Papier bekannt ist. Wir bekamen sogar die Möglichkeit selber welches herzustellen. Ist auch gar nicht so schwierig, das Endergebnis aber umso schöner. In Echizen hatte ich das erste Mal am Tage das Gefühl, nicht gescheucht zu werden. Wir hatten unsere Gruppeneinordnung mal sein lassen und gingen in unserer üblichen Clique. Im Papiermuseum kam dann allerdings nach zehn Minuten wieder eine Reiseleiterin angerannt und trieb uns mit einer verbalen Peitsche ins Freie. Es ist ja nicht so, dass ich vorhatte im Museum zu überwintern, aber was wäre, wenn wirklich mal jemand bei dieser Veranstaltung Lust hätte, sich die ganzen Tafeln durchzulesen? Im Nachhinein fand ich es toll die Präfektur mal näher kennen zu lernen, aber ich kann nun kaum behaupten, die Reiseziele wirklich zu kennen. Da muss ich wohl noch mal auf eigene Faust hin…


Zuletzt noch eine kleine Ode an die Schadenfreude. Nach der Bootstour in Tojinbo wehte der Meereswind, meiner Stimmung entgegenkommend, den Hut einer der Reiseleiterinnen ins Meer. Sie hätte ihn aber so oder so zurückbekommen. Lieber als die Rettung mittels Kescher wäre mir gewesen, wenn der Hut langsam ans Ufer getrieben, mir die Gelegenheit gegeben hätte, mich an den Strand zu legen.



Samstag, 27. Oktober 2007

Halloween Densha

Gestern war ich auf der angeblich besten Party des Jahres, in Fukui. Die Halloween Party mit dem vorangehenden Halloween Zug. Am frühen Abend legte ich mein Schwert und meinen Harnisch an, woraufhin ich ritterlich zur U-Bahn schritt. Der tapferen Recken gab es zeware vil. Wir waren frôn Muotes und betraten sogleich den Zug. Meinem Kostüm gemäß hatte ich eigentlich vor den ganzen Abend Mittelhochdeutsch und Altjapanisch zu sprechen, aber das hält ja nun wirklich niemand durch. Weder ich, noch meine Mitmenschen. Außer mir waren auch noch andere gruselige Gestalten da. Es gab eine Gothic-Lolita im Blutrausch, einen deutschen Touristen (sowohl einen normalen als auch die Mallorca-Variante), einen Teufel, einen Doktor, ein merkwürdiges Monster mit entstelltem Gesicht, Zorro, viele Cosplayer und ganz besonders denkwürdig der rote Power Ranger, der die Rückseite seines Körpers in ihrer beinahe ganzen Nacktheit zur öffentlichen Anschaung bereithielt, während er vehement den grünen Frosch und andere sexuell belästigte. Aber da muss man nachsichtig sein, denn der werte Herr war voll wie’n Bus. Desweiteren waren anwesend: Playboy Bunnies, ein Typ mit Super Mario Schnurrbart und die in Japan scheinbar obligatorischen, katzenartig verkleideten Mädchen. Nach einer gut einstündigen Durststrecke im diffusen Licht des Halloween Zuges in Richtung Katsuyama hatten wir die Möglichkeit uns kurz zu erfrischen und eine im leichten Nieselregen spielende Liveband zu genießen. Es wäre auch fast gelungen, wenn uns nicht ein äußerst betrunkener Mann aus einer allseits bekannten, ehemaligen englischen Kolonie angesabbelt hätte.
Zuerst beschwörte er uns, später ein von ihm favorisiertes Etablissement aufzusuchen, wo nach seinem Wortlaut, den ich hier ein wenig abschwächen muss, das Bier in Massen verfügbar und die Frauen willig sind. Danach begann er einen Small-Talk mit uns und nachdem das Geheimnis um unsere Herkunft gelöst war, erzählte der gute Mann uns, dass er auch halb deutsch sei und bekam daraufhin seine deutschen fünf Minuten. Er sagte, er wäre furchtbar stolz darauf (immer wieder mit Wörtern aus der Fäkalsprache dazwischen) und das „wir“ ja Rom zerstört und Europa erobert hätten. Ich konnte mich aber nicht daran erinnern, dergleichen getan zu haben und flüchtete vor seiner widerlichen Weltanschauung. Auf der Rückfahrt nach Fukui drehte der rote Power Ranger endgültig durch und die Kinder bekamen Angst. Na ja, eigentlich soll Halloween ja gruselig sein und genau das war dieser Abend auch.
Später, in einer „Color“ genannten Disko in Katamachi, Fukuis angeblichem Vergnügungsviertel, tranken wir wässriges Bier und lauschten einem absolut nervigen Disk Jockey, der sich das Vergnügen nicht nehmen ließ, die Lieder mitzusingen. Dazu kam noch, dass die Musik größtenteils meiner guten Stimmung abträglich war. Man stelle sich eine 90er Jahre Dorfdisko, irgendwo in der Provinz vor und subtrahiere schmackhaftes Bier und eine vor Langeweile herumpöbelnde Dorfjugend. Es gab zwar Leute, die nach Kräften versuchten, die Dorfjugend zu ersetzen, aber größtenteils blieb es bei dem Versuch. Im Laufe der Nacht rutschte die Musik dann endgültig in Gegenden ab, die seit den Spätachtzigern aus Scham niemand mehr ergründen wollte. Wie schon gesagt, Halloween soll gruselig sein. Am Ende traf mein Blick dann wieder auf meinen Lieblingsamerikaner (der halb deutsche). Nun lag er wie ein toter Hund auf der Erde während eine junge Japanerin in einem leicht abgewandelten Schulmädchenkostüm über ihm tanzte, wie man es von den Tänzerinnen in den Bars, wo das Bier fünf Euro und der Sekt dreißig kostet, kennt. Sie verschwand aber recht schnell, als ich mein Schwert zückte und dem Besoffki in die Schulter piekste. Danach überprüfte ich seine Atmung und war beruhigt. Er war zwar der widerlichste Mensch, den ich seit Ewigkeiten getroffen habe, aber ein solch unwürdiges Ableben wünsche ich niemandem.
Vielleicht bin ich durch das Hamburger Nachtleben ein bisschen verwöhnt, daher meine Kritik. Witzig war es aber trotzdem.

Samstag, 20. Oktober 2007

Mal was lustiges



Auf diesem Photo hier ist die Absperrung einer Baustelle zu sehen. Solchen lustigen Dingen begegnet man in Japan öfter. Häufig sind es niedliche Comic-Figuren die auf Gefahren oder wichtige Regeln hinweisen. Mir fällt es aber irgendwie schwer, in diesen Lebkuchenmännchen eine ernstgemeinte Absperrung zu sehen. Aber vielleicht hat ein betrunkener Amokfahrer ja wirklich mehr Hemmungen, in eine Baustelle zu rasen, wenn er vor sich die Plastikmännchen sieht. Wenn man nicht so recht weiß, was man davon halten soll, kann man es ja einfach als einen Grund zum Lachen sehen. Ich finds lustich.

Die bunten Pyramiden sah ich, als ich abends nach dem Trip nach Kanazawa aus dem Bahnhof von Fukui kam. Sowas farbenfrohes hab ich hier bisher noch nicht gesehen. Was grelle, flackernde Leuchtreklame angeht, bleibt man in der nächtlichen Innenstadt hier relativ verschont. Links davon, nicht im Bilde ist eine Reporterin, die gerade im Fernsehen über irgendwas berichtet hat. Wahrscheinlich über das Wetter, das war wirklich außerordentlich mies an diesem Tag, wie man auch wunderbar an den Lichtspiegelungen in den Pfützen sehen kann.


Auf dem letzten Photo wartet ein alter Bekannter. Er hat mich durch meine Kindheit und Jugend begleitet und schließlich habe ich ihn am anderen Ende der Welt wiedergefunden. Ich hatte zuerst die Befürchtung, dass dieErnährung hier schwierig, oder eine Umstellung wird, aber man muss auch in Japan auf nix verzichten. Japanisches Essen, esse ich im Moment eher in der Mensa. Zu Hause habe ich Coco Pops (neuerdings Choco Crispies - ich wüsst gern warum), Kartoffeln, Eier, Roggenbrot, Käse, Äpfel und Birnen. Ich versuche so nach und nach die japanische Küche in die meinige zu lassen. Ist ja alles ganz lecker hier. Muss ich schon zugeben.

Freitag, 19. Oktober 2007

Ein Ausflug nach Kanazawa

Heute ging es mal nach Kanazawa. Eigentlich ist es mein erster richtiger Ausflug in Japan gewesen. Kanazawa liegt ungefähr 70km nordlich von Fukui und hat etwa doppelt so viele Einwohner. Gleich am Ausgang des Hauptbahnhofes wird man von einem Fontänenspiel begrüßt, dass einem immer wieder "Welcome", "Kanazawa" und die Uhrzeit zeigt. Nach einem kleinen Bummel durch die Stadt und einem kleinen Mittagessen bei Freshness Burger gingen wir weiter in Richtung eines alten Stadtviertels, das für seine Teezeremoniestätten bekannt ist. Der Höhepunkt des Ausfluges sollte eigentlich ein sehr hübscher Garten sein, aber da wir zu viel Zeit im Schloss von Kanazawa verbrachten, schafften wir es nicht rechtzeitig uns das Gemüse anzugucken. Wer rechnet schon damit, dass der Garten um 16:30 schließt? Hier scheint es zwar relativ früh dunkel zu werden, im Moment ist es zwischen 17 und 18 Uhr, aber das ist ja nu kein Grund. Werd also sicher nochmal herkommen.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Meine Butze







Was meine Behausung angeht, hat sich nicht viel verändert. Ich hause immer noch auf ungefähr 12 Quadratmetern, aber dieses Mal hab ich eine eigene Küche, und eine eigene Toilette, in der das Wasser im Waschbecken lustigerweise nur läuft, wenn man die Spülung betätigt. Ich rasier mich also in der Küche. In unmittelbarer Nähe meines Zimmers befindet sich der Aufenthaltsraum. Fluch und Segen zugleich. Es ist zwar manchmal saulaut, aber der Getränkeautomat (die Dinger stehen hier überall) ist sehr nah...fast schon zu nah.
PS: Das Wort im vorherigen Post heißt natürlich nicht Würstechen, sondern Würstken.

Endlich da!



Nach einem eklig langen Flug mit Umsteigen im unvorstellbar heißen Dubai, bin ich endlich am Flughafen von Osaka angekommen. Dieser Zug, der "Tokkyu Haruka" brachte mich dann in Richtung meines Hostels, wo ich meine erste Nacht in Japan verbrachte. Früher habe ich über Jetlag gelacht, aber dass ich meinen Körper zum ersten Mal in 24 Jahren so dermaßen aus dem Rythmus schleuderte, sollte sich noch mehrere Nächte rächen. Als ich nach vier oder fünf Nächten mit jeweils circa vier Stunden Schlaf zuviel bekam, fasste ich einen Plan. Zuviel Bier und noch viel mehr Essen. Das klappt. Vor allem mit fettigen Sachen, wie Chips oder Würstechen. Nach ein paar Tagen fing dann auch die Uni an. Mit sieben Kursen bin ich zwar nicht im Stress, aber anstrengend ist es manchmal schon. Ich tue gerade viel gegen mein Vokabeldefizit.