Zuerst beschwörte er uns, später ein von ihm favorisiertes Etablissement aufzusuchen, wo nach seinem Wortlaut, den ich hier ein wenig abschwächen muss, das Bier in Massen verfügbar und die Frauen willig sind. Danach begann er einen Small-Talk mit uns und nachdem das Geheimnis um unsere Herkunft gelöst war, erzählte der gute Mann uns, dass er auch halb deutsch sei und bekam daraufhin seine deutschen fünf Minuten. Er sagte, er wäre furchtbar stolz darauf (immer wieder mit Wörtern aus der Fäkalsprache dazwischen) und das „wir“ ja Rom zerstört und Europa erobert hätten. Ich konnte mich aber nicht daran erinnern, dergleichen getan zu haben und flüchtete vor seiner widerlichen Weltanschauung. Auf der Rückfahrt nach Fukui drehte der rote Power Ranger endgültig durch und die Kinder bekamen Angst. Na ja, eigentlich soll Halloween ja gruselig sein und genau das war dieser Abend auch.
Später, in einer „Color“ genannten Disko in Katamachi, Fukuis angeblichem Vergnügungsviertel, tranken wir wässriges Bier und lauschten einem absolut nervigen Disk Jockey, der sich das Vergnügen nicht nehmen ließ, die Lieder mitzusingen. Dazu kam noch, dass die Musik größtenteils meiner guten Stimmung abträglich war. Man stelle sich eine 90er Jahre Dorfdisko, irgendwo in der Provinz vor und subtrahiere schmackhaftes Bier und eine vor Langeweile herumpöbelnde Dorfjugend. Es gab zwar Leute, die nach Kräften versuchten, die Dorfjugend zu ersetzen, aber größtenteils blieb es bei dem Versuch. Im Laufe der Nacht rutschte die Musik dann endgültig in Gegenden ab, die seit den Spätachtzigern aus Scham niemand mehr ergründen wollte. Wie schon gesagt, Halloween soll gruselig sein. Am Ende traf mein Blick dann wieder auf meinen Lieblingsamerikaner (der halb deutsche). Nun lag er wie ein toter Hund auf der Erde während eine junge Japanerin in einem leicht abgewandelten Schulmädchenkostüm über ihm tanzte, wie man es von den Tänzerinnen in den Bars, wo das Bier fünf Euro und der Sekt dreißig kostet, kennt. Sie verschwand aber recht schnell, als ich mein Schwert zückte und dem Besoffki in die Schulter piekste. Danach überprüfte ich seine Atmung und war beruhigt. Er war zwar der widerlichste Mensch, den ich seit Ewigkeiten getroffen habe, aber ein solch unwürdiges Ableben wünsche ich niemandem.
Vielleicht bin ich durch das Hamburger Nachtleben ein bisschen verwöhnt, daher meine Kritik. Witzig war es aber trotzdem.
