Samstag, 27. Oktober 2007

Halloween Densha

Gestern war ich auf der angeblich besten Party des Jahres, in Fukui. Die Halloween Party mit dem vorangehenden Halloween Zug. Am frühen Abend legte ich mein Schwert und meinen Harnisch an, woraufhin ich ritterlich zur U-Bahn schritt. Der tapferen Recken gab es zeware vil. Wir waren frôn Muotes und betraten sogleich den Zug. Meinem Kostüm gemäß hatte ich eigentlich vor den ganzen Abend Mittelhochdeutsch und Altjapanisch zu sprechen, aber das hält ja nun wirklich niemand durch. Weder ich, noch meine Mitmenschen. Außer mir waren auch noch andere gruselige Gestalten da. Es gab eine Gothic-Lolita im Blutrausch, einen deutschen Touristen (sowohl einen normalen als auch die Mallorca-Variante), einen Teufel, einen Doktor, ein merkwürdiges Monster mit entstelltem Gesicht, Zorro, viele Cosplayer und ganz besonders denkwürdig der rote Power Ranger, der die Rückseite seines Körpers in ihrer beinahe ganzen Nacktheit zur öffentlichen Anschaung bereithielt, während er vehement den grünen Frosch und andere sexuell belästigte. Aber da muss man nachsichtig sein, denn der werte Herr war voll wie’n Bus. Desweiteren waren anwesend: Playboy Bunnies, ein Typ mit Super Mario Schnurrbart und die in Japan scheinbar obligatorischen, katzenartig verkleideten Mädchen. Nach einer gut einstündigen Durststrecke im diffusen Licht des Halloween Zuges in Richtung Katsuyama hatten wir die Möglichkeit uns kurz zu erfrischen und eine im leichten Nieselregen spielende Liveband zu genießen. Es wäre auch fast gelungen, wenn uns nicht ein äußerst betrunkener Mann aus einer allseits bekannten, ehemaligen englischen Kolonie angesabbelt hätte.
Zuerst beschwörte er uns, später ein von ihm favorisiertes Etablissement aufzusuchen, wo nach seinem Wortlaut, den ich hier ein wenig abschwächen muss, das Bier in Massen verfügbar und die Frauen willig sind. Danach begann er einen Small-Talk mit uns und nachdem das Geheimnis um unsere Herkunft gelöst war, erzählte der gute Mann uns, dass er auch halb deutsch sei und bekam daraufhin seine deutschen fünf Minuten. Er sagte, er wäre furchtbar stolz darauf (immer wieder mit Wörtern aus der Fäkalsprache dazwischen) und das „wir“ ja Rom zerstört und Europa erobert hätten. Ich konnte mich aber nicht daran erinnern, dergleichen getan zu haben und flüchtete vor seiner widerlichen Weltanschauung. Auf der Rückfahrt nach Fukui drehte der rote Power Ranger endgültig durch und die Kinder bekamen Angst. Na ja, eigentlich soll Halloween ja gruselig sein und genau das war dieser Abend auch.
Später, in einer „Color“ genannten Disko in Katamachi, Fukuis angeblichem Vergnügungsviertel, tranken wir wässriges Bier und lauschten einem absolut nervigen Disk Jockey, der sich das Vergnügen nicht nehmen ließ, die Lieder mitzusingen. Dazu kam noch, dass die Musik größtenteils meiner guten Stimmung abträglich war. Man stelle sich eine 90er Jahre Dorfdisko, irgendwo in der Provinz vor und subtrahiere schmackhaftes Bier und eine vor Langeweile herumpöbelnde Dorfjugend. Es gab zwar Leute, die nach Kräften versuchten, die Dorfjugend zu ersetzen, aber größtenteils blieb es bei dem Versuch. Im Laufe der Nacht rutschte die Musik dann endgültig in Gegenden ab, die seit den Spätachtzigern aus Scham niemand mehr ergründen wollte. Wie schon gesagt, Halloween soll gruselig sein. Am Ende traf mein Blick dann wieder auf meinen Lieblingsamerikaner (der halb deutsche). Nun lag er wie ein toter Hund auf der Erde während eine junge Japanerin in einem leicht abgewandelten Schulmädchenkostüm über ihm tanzte, wie man es von den Tänzerinnen in den Bars, wo das Bier fünf Euro und der Sekt dreißig kostet, kennt. Sie verschwand aber recht schnell, als ich mein Schwert zückte und dem Besoffki in die Schulter piekste. Danach überprüfte ich seine Atmung und war beruhigt. Er war zwar der widerlichste Mensch, den ich seit Ewigkeiten getroffen habe, aber ein solch unwürdiges Ableben wünsche ich niemandem.
Vielleicht bin ich durch das Hamburger Nachtleben ein bisschen verwöhnt, daher meine Kritik. Witzig war es aber trotzdem.

Samstag, 20. Oktober 2007

Mal was lustiges



Auf diesem Photo hier ist die Absperrung einer Baustelle zu sehen. Solchen lustigen Dingen begegnet man in Japan öfter. Häufig sind es niedliche Comic-Figuren die auf Gefahren oder wichtige Regeln hinweisen. Mir fällt es aber irgendwie schwer, in diesen Lebkuchenmännchen eine ernstgemeinte Absperrung zu sehen. Aber vielleicht hat ein betrunkener Amokfahrer ja wirklich mehr Hemmungen, in eine Baustelle zu rasen, wenn er vor sich die Plastikmännchen sieht. Wenn man nicht so recht weiß, was man davon halten soll, kann man es ja einfach als einen Grund zum Lachen sehen. Ich finds lustich.

Die bunten Pyramiden sah ich, als ich abends nach dem Trip nach Kanazawa aus dem Bahnhof von Fukui kam. Sowas farbenfrohes hab ich hier bisher noch nicht gesehen. Was grelle, flackernde Leuchtreklame angeht, bleibt man in der nächtlichen Innenstadt hier relativ verschont. Links davon, nicht im Bilde ist eine Reporterin, die gerade im Fernsehen über irgendwas berichtet hat. Wahrscheinlich über das Wetter, das war wirklich außerordentlich mies an diesem Tag, wie man auch wunderbar an den Lichtspiegelungen in den Pfützen sehen kann.


Auf dem letzten Photo wartet ein alter Bekannter. Er hat mich durch meine Kindheit und Jugend begleitet und schließlich habe ich ihn am anderen Ende der Welt wiedergefunden. Ich hatte zuerst die Befürchtung, dass dieErnährung hier schwierig, oder eine Umstellung wird, aber man muss auch in Japan auf nix verzichten. Japanisches Essen, esse ich im Moment eher in der Mensa. Zu Hause habe ich Coco Pops (neuerdings Choco Crispies - ich wüsst gern warum), Kartoffeln, Eier, Roggenbrot, Käse, Äpfel und Birnen. Ich versuche so nach und nach die japanische Küche in die meinige zu lassen. Ist ja alles ganz lecker hier. Muss ich schon zugeben.

Freitag, 19. Oktober 2007

Ein Ausflug nach Kanazawa

Heute ging es mal nach Kanazawa. Eigentlich ist es mein erster richtiger Ausflug in Japan gewesen. Kanazawa liegt ungefähr 70km nordlich von Fukui und hat etwa doppelt so viele Einwohner. Gleich am Ausgang des Hauptbahnhofes wird man von einem Fontänenspiel begrüßt, dass einem immer wieder "Welcome", "Kanazawa" und die Uhrzeit zeigt. Nach einem kleinen Bummel durch die Stadt und einem kleinen Mittagessen bei Freshness Burger gingen wir weiter in Richtung eines alten Stadtviertels, das für seine Teezeremoniestätten bekannt ist. Der Höhepunkt des Ausfluges sollte eigentlich ein sehr hübscher Garten sein, aber da wir zu viel Zeit im Schloss von Kanazawa verbrachten, schafften wir es nicht rechtzeitig uns das Gemüse anzugucken. Wer rechnet schon damit, dass der Garten um 16:30 schließt? Hier scheint es zwar relativ früh dunkel zu werden, im Moment ist es zwischen 17 und 18 Uhr, aber das ist ja nu kein Grund. Werd also sicher nochmal herkommen.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Meine Butze







Was meine Behausung angeht, hat sich nicht viel verändert. Ich hause immer noch auf ungefähr 12 Quadratmetern, aber dieses Mal hab ich eine eigene Küche, und eine eigene Toilette, in der das Wasser im Waschbecken lustigerweise nur läuft, wenn man die Spülung betätigt. Ich rasier mich also in der Küche. In unmittelbarer Nähe meines Zimmers befindet sich der Aufenthaltsraum. Fluch und Segen zugleich. Es ist zwar manchmal saulaut, aber der Getränkeautomat (die Dinger stehen hier überall) ist sehr nah...fast schon zu nah.
PS: Das Wort im vorherigen Post heißt natürlich nicht Würstechen, sondern Würstken.

Endlich da!



Nach einem eklig langen Flug mit Umsteigen im unvorstellbar heißen Dubai, bin ich endlich am Flughafen von Osaka angekommen. Dieser Zug, der "Tokkyu Haruka" brachte mich dann in Richtung meines Hostels, wo ich meine erste Nacht in Japan verbrachte. Früher habe ich über Jetlag gelacht, aber dass ich meinen Körper zum ersten Mal in 24 Jahren so dermaßen aus dem Rythmus schleuderte, sollte sich noch mehrere Nächte rächen. Als ich nach vier oder fünf Nächten mit jeweils circa vier Stunden Schlaf zuviel bekam, fasste ich einen Plan. Zuviel Bier und noch viel mehr Essen. Das klappt. Vor allem mit fettigen Sachen, wie Chips oder Würstechen. Nach ein paar Tagen fing dann auch die Uni an. Mit sieben Kursen bin ich zwar nicht im Stress, aber anstrengend ist es manchmal schon. Ich tue gerade viel gegen mein Vokabeldefizit.